Wenn in Deutschland über die Verbesserung unseres Bildungssystems diskutiert wird, hört man immer wieder das Beispiel Skandinavien, insbesondere, das des finnischen Bildungssystems. Dabei gibt es direkt hinter der Westgrenze Niedersachsens in den Niederlanden ein funktionierendes liberales Bildungssystem, das von der frühkindlichen Bildung bis zur Hochschule auf einen freien Markt der Bildungseinrichtungen setzt.
Schulen und Universitäten sind in den Niederlanden zu über zwei Dritteln in privater Hand und werden vom Staat, im gleichen Maße wie dessen eigene Einrichtungen, durch Kopfprämien gefördert. Durch diesen Wettbewerb im Bildungssystem werden die Kosten der Einrichtungen gedrückt und gleichzeitig die Qualität der Bildung erhöht. Unabhängig vom Eigentümer sind fast alle Bildungseinrichtungen rechtlich als Stiftungen organisiert und werden erfolgreich wie normale Unternehmen nach wirtschaftlichen Grundregeln geführt.
Da die Niederlande das Geld den Schulen direkt zur Verfügung stellen, ohne das es ungenutzt im bürokratischen Umverteilungsapparat versickert, schaffen sie es mit weniger als der Hälfte an staatlichen finanziellen Mitteln ein durchaus konkurrenzfähiges Bildungssystem zu organisieren. Das bestätigte auch unlängst die Pisastudie, bei der die Niederlande jedes Mal besser als Deutschland abgeschnitten haben und sich gemeinsam mit Finnland im Spitzenfeld befanden. Anders als in Finnland gibt es in den Niederlanden ein mehrgliedriges Schulsystem – ähnlich dem Deutschen – und einen höheren Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund. Dadurch lassen sich die Niederlande besser mit Deutschland vergleichen, als Finnland. Offensichtlich schaffen es die Niederländer mit dem mehrgliedrigen Schulsystem und einer ähnlichen demographischen Zusammensetzung der Schülerschaft wesentlich bessere Ergebnisse bei der Pisastudie zu erzielen.
Viele Dinge, die wir Jungen Liberalen in unserer Beschlusslage zur “Freien Schule” fordern sind in den Niederlanden bereits umgesetzt. So dürfen Schulen dort beispielsweise völlig frei über die Unterrichtsmethoden entscheiden. Dies gibt ihnen die Möglichkeit den Unterricht unbürokratisch, individuell und schnell umzustrukturieren, ohne dass Ministerien darüber eine Entscheidung treffen müssen. Des Weiteren befinden sich Lehrer – anders als in Deutschland – ausschließlich in einem normalen Angestelltenverhältnis, sodass sie bei ungenügender Leistungsbereitschaft durch leistungsbereite Mitbewerber ersetzt werden können. Niederländische Schulen sind aufgrund einer absoluten Personalhoheit und durch starken Wettbewerb dazu gezwungen motiviertes und leistungsfähiges Personal einzustellen. Neben den Lehrern befinden sich in den Schulen – ebenfalls anders als in Deutschland – Verwaltungsfachangestellte für administrative Aufgaben. Diese Aufgaben können von geschultem Verwaltungsfachpersonal effizienter wahrgenommen werden, als von den klassischen Pädagogen. (da sie diese wesentlich effizienter wahrnehmen können als für padägogische Aufgaben ausgebildete Lehrkräfte).
Es findet zudem eine landesweite Evaluation statt, in der Lehrkräfte, Schulen und Schüler verglichen werden. Die Ergebnisse der Evaluation werden jährlich zusammen mit anderen Kennziffern im „Jahrbuch“ des Ministerie van Onderwijs, Cultuur en Wetenschap (nl. Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft) veröffentlicht. Dieses System fördert eindeutig die Transparenz des niederländischen Bildungssystems. Es ist doch gut zu wissen, dass unsere politischen Forderungen funktionieren und die Bevölkerung, wie in der Grafik zu sehen, dafür auch noch Bestnoten vergibt.
Bildquelle: “Jahrbuch” des Minsterie van Onderwijs, Cultuur en Wetenschap, Niederlande 2008
